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Erfahrungsbericht von Elch (Februar 2015; OP: November 2013)

1. Teil Teil 2 Teil 3

1. Vor der THS: Anzudenkendes und Abzuhakendes

Vor dem großen Termin galt es, die eine oder andere Pflichtübung zu absolvieren sowie den allgemeinen Entscheidungsprozess auf den Punkt zu bringen. Ich habe recht lange gewartet, bis ich dieses Thema angegangen bin. Die Medizintechnik sowie die Erfahrung der Operateure wächst ja in der Regel. Andererseits lag vor zehn Jahren auch noch keine Langzeitstudie vor. Vor dieser Frist [=2004] wollte man mich nämlich bereits zu solch einer OP ermuntern; allerdings gab es auch vehemente Skeptiker, d. h. Fachärzte, die schon einige missglückte Eingriffe gesehen hatten ... Die tatsächliche Entwicklung der Krankheit lässt sich ja nach wie vor nicht aufhalten; aber die Beweglichkeit, und damit die Lebensqualität kann (auch längerfristig) enorm gewinnen ‒ wie bei mir heute.

Der optimale Zeitpunkt ist also schwer zu beurteilen und alles hätte, hätte nicht , früher oder später etc. bleibt letztendlich müßige Spekulation. Ich denke allerdings, dass er bei mir durchaus nicht falsch gewählt war, der Zeitpunkt.

Es mag nicht der oft zitierte (schwellenhafte) "Leidensdruck" den Ausschlag gegeben haben. Ich mag dieses Wort nicht, genauso wenig wie den immer wieder in Frage gestellten Begriff des vermeintlichen "Austherapiertseins" ... Sicherlich war meine Beweglichkeit, die lange vor dem Mauerfall (d. h. um 1987 herum) ihre ersten krankheitsdeutbaren Kennzeichen an den Tag gebracht hat, recht eingeschränkt und "gelitten" habe ich wenn, dann weniger unter der mitunter starken Überbeweglichkeit als unter heftigen Akinesen, so dass ich z. T. selbst mit Rollator kaum laufen konnte, der zwölf Jahre lang mein ständiger Ge(h)hilfe war und nun vorerst nicht mehr nötig ist. Vielmehr war die Zeit irgendwie reif, etwas Neues auszuprobieren. Was gab es da noch im Therapieangebot? Tabletten? Hatte ich alle durch und genug dosiert. Apomorphinpumpe? Auch ... Blieb wohl doch nur eine THS.

Die Entscheidung dafür war eigentlich schnell gefällt. Einzig die Frage "Wo" bzw. "Von wem" blieb zunächst offen. Hilfe bekam ich bei PAoL. Die Mehrzahl der Erfahrungsträger empfahlen mir die Kölner Uniklinik ... Mein Hausneurologe wollte mich zwar an eine näher liegende Uniklinik mit neurochirurgischer Abteilung schicken, doch dagegen konnte ich mich erwehren. Und so machte ich mich im Herbst 2013 auf, in der Kölner Neurologie vorstellig zu werden ‒ bei der Truppe von Professor Lars Timmermann. (Den Termin hatte ich vorher per E-Mail vereinbart.) Die Eignungstests wie ein NMR vom Kopf, ein internistisches Screening, psychologisch-kognitive Prüfungen sowie der obligatorische Levodopa-Test zeigten bald, dass ich durchaus ein großes Potential besitzen sollte, um eine erfolgreiche Operation zu genießen: mein relativ zartes Alter (damals knapp 49 Jahre), psychische Stabilität und auch sonst eine gute körperliche Unversehrtheit ...

Also sagte ich ja, zweimal , d. h. zur OP und zum Fernsehbericht, der von 3sat produziert wurde, eine Tatsache, die mir beste Versorgung und personell kompetenteste Behandlung garantierte. Auch mit dem Termin musste ich nicht lange warten. Einige Wochen später tanzte ich in der Stereotaxie der Kölner Uniklinik an; es war inzwischen Anfang November.

Welche Erwartungen hatte ich an die OP, welche Hoffnungen und welche Ängste waren daran geknüpft? ‒ Nicht allzu viel. Das klingt albern, aber zunächst war die Grundhoffnung, dass die OP selbst ohne Komplikationen glückt. Diesbezüglich war ich erstaunlich entspannt. Die Beweglichkeit konnte im Prinzip nur verbessert werden. Befürchten musste ich jedoch, dass mein Sprechen eher schlechter werden würde als besser. Außerdem schwebte da noch eine kleine grau wattierte Wolke über dem Ganzen: Stichwort "Persönlichkeitsveränderung". Allerdings empfand ich es als beruhigend, dass ich noch nie bezüglich der Krankheit irgendwelche bedrohlichen psychischen Belastungen erfahren hatte. Schon vor der doch recht frühen Erkrankung war ich ein durchaus kreativer Mensch (musikalisch, bildschöpferisch, textend ...). Fantasie, am besten gespickt mit etwas Witz und Selbstironie, ist nach meiner Erfahrung ein erstklassiges Rezept gegen Missmut, depressive oder nur leicht elegische Verstimmungen. Das nur am Rande. Große Hoffnung versprach ich mir in Hinsicht auf Reduktion der zuletzt heftigen Fluktuationen sowie um drastische Einsparungen in der L-Dopa-Einnahme.

Ansonsten konnte es meinerseits losgehen mit dem Schädelanbohren und Elektrodisieren ...

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