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Ärzte/Ärztinnen

Durch unsere gemeinsame Erkrankung an Morbus Parkinson kommen wir auch um das Thema "Ärzte/Ärztinnen" nicht herum. Wie mit ihnen umgehen? Wie gute finden? Was von ihnen erwarten?

Vorausgeschickt:
Ich habe durchaus einen großen Respekt davor, was ÄrztInnen alles an Wissen angesammelt haben. Das Medizin-Studium dürfte eines der anspruchsvollsten sein.

Aber, und das hat auch mein Neffe, der Medizinstudent, verwundert bis entsetzt konstatiert: ein anspruchsvolles Studium formt nicht automatisch einen verantwortungsbewussten Menschen, bzw. nicht immer die edelsten, anspruchsvollsten, bewusst und reflektierend lebenden Menschen sind es automatisch, die sich für ein Medizinstudium und für eine Berufstätigkeit als ÄrztIn entscheiden.

Da ÄrztInnen und unser Kontakt mit ihnen, sowie ihre Entscheidungen aber z.T. über immenses Wohl und Wehe in unserem Leben entscheiden können, ist es meiner Ansicht nach sehr anzuraten, sich in unserem Sinne "gute" ÄrztInnen zu suchen.

Was also macht gute ÄrztInnen aus?
Diese Frage, da bin ich mir ganz sicher, werden von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich beantwortet werden. Es gibt sie noch immer, die PatientInnen, die gerne alle Verantwortung für die Behandlung ihrer Malaisen den ÄrztInnen überlassen wollen, PatientInnen, die sich nicht in der Lage sehen, mit zu entscheiden, was die für sie beste Therapie ist. Meiner Ansicht nach ein Fehler, da damit das Wissen einer ganzen Person, nämlich die der/des Patientin/Patienten völlig ungenutzt bleibt. Verschwendung eigentlich. Für so denkende Kranke sind ÄrztInnen dann "gut", wenn sie sich mit Fragen und Untersuchungen ein Bild von der Lage machen und schließlich eine Entscheidung treffen, die dem oder der Ratsuchenden mitgeteilt wird und an die darin enthaltenen Ratschläge sich gehalten werden muss.

Meine Erwartungen an meine ÄrztInnen sind andere:
Ich erwarte eine Begegnung auf Augenhöhe. Übrigens genauso wie ich sie im Kaufhaus, in der Bäckerei, im Friseursalon und der Schule meiner Kinder, eigentlich bei jeder Begegnung mit anderen Menschen erwarte. Ich werde immer die jeweilige besondere Kompetenz meines Gegenüber anerkennen, aber erwarte das Gleiche auch von den anderen.

Bei meinen ÄrztInnen erwarte ich in den Gesprächen, dass wir unser gesammeltes Wissen auf den Tisch zwischen uns legen, es sortieren, über die jeweilige Relevanz und mögliche Therapien diskutieren. Und dass dann letztlich ich entscheide, was getan werden wird. Dabei ist es natürlich hilfreich, wenn ich mir im Hinblick auf meinen Körper, meine Krankheit und mögliche Therapien ein zumindest Basis-Wissen aneigne. Das ist möglich und die Mühe, die ich darauf verwenden muss, sollte ich mir wert sein.
Wenn ich eventuell eine von meinen ÄrztInnen präferierte Therapie ablehne, erwarte ich, dass sie mit Verständnis und Respekt reagieren. Die Verantwortung für mein Leben sollte bei mir verbleiben dürfen.

Was ich nicht von ÄrztInnen erwarte, ist, dass sie über ihr Fachwissen hinaus den sozial-psychologischen Aspekt von Krankheit ebenso abdecken. Aber ich erwarte, dass sie diesen Aspekt kennen, ihn ernst nehmen und sich zumindest so vernetzen und immer wieder aktualisiert vernetzt halten, dass sie hier z.B. zu Selbsthilfegruppen, die meiner Ansicht nach in diesem Bereich sehr gute Arbeit leisten, weiter verweisen können.

Eine letzte sehr wichtige Erwartung an meine ÄrztInnen habe ich noch:
Ich erwarte, dass sie sich unabhängig halten. Nur von ÄrztInnen, die frei von wirtschaftlichen Eigeninteressen zu dieser oder jener Therapie raten, kann ich sicher sein, dass sie in meinem Sinne und nicht im Sinne von Gewinnstreben z.B. von Pharmafirmen denken. Ein Qualitätsmerkmal, um unabhängige ÄrztInnen zu erkennen, kann eine Mitgliedschaft in dem Verein "MEZIS e.V" (Mein Essen Zahl Ich Selbst e.V.) sein.

von Watsi (2017)