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Wirkstoffgruppen

Die Grundlage für die Behandlung von Parkinson sind die dopaminergen Medikamente. Dies sind die Agonisten und die L-Dopa-Präparate.

Agonisten
Die Bezeichnung Agonist rührt daher, dass der Wirkstoff in der Lage ist, einen Rezeptor zur Signalübertragung zwischen den Nervenzellen, an denen normalerweise Dopamin ankoppelt, zu aktivieren. (Im Gegensatz zu Antagonisten, die Rezeptoren blockieren).
Handelsnamen sind z.B. Sifrol, Requip und Clarium.
Wesentliche Vorteile sind die Unabhängigkeit von der Nahrungsaufnahme und ihre lange und sehr gleichmäßige Wirkungsdauer, sofern sie als Retardversion verabreicht werden. Weiterhin werden sie nicht durch andere Medikamente in ihrer Verfügbarkeit beeinflusst.
Sie haben deutliche Nebenwirkungen, wie z.B. Impulskontrollstörungen, gesteigerte Libido, etc.

L-Dopa
Hauptmedikament ist das L-Dopa. Es ist eine L-Aminosäure. Es wird nach der Einnahme im Blut zu dem Neurotransmitter Dopamin umgewandelt, der bekanntlich bei der Parkinsonkrankheit entsprechend dem Niedergang der dopaminergen Zellen im Gehirn nicht mehr erzeugt wird.

Die Wirkungsdauer von L-Dopa lässt sich durch andere Arten von Medikamenten oder durch die spezielle „Konstruktion“ der Tablette günstig beeinflussen. So gibt es schnell lösliche Tabletten, die sehr zügig (20 min) ihre Wirkstoffmenge über eine kurze Dauer freisetzen, die Standardmedikamente und die sog. retardierten oder Depot-Tabletten, die speziell aufgebaut sind um ihren Wirkstoff über einen langen Zeitraum im Darm freizugeben.

Wesentlicher Nachteil ist die deutliche negative Auswirkung der gleichzeitigen Aufnahme von Eiweiß in der Nahrung. Diese entsteht dadurch, dass Eiweiß im Darm zu Aminosäuren zerlegt wird und in der Form durch die Darmwand ins Blut gelangt. Hierbei steht L-Dopa als Aminosäure in Konkurrenz zu denen aus der Nahrungsaufnahme. Da die Aufnahmekapazität des Darms pro Zeiteinheit als auch in der Gesamtmenge limitiert ist, führt dies zu einem Wirkstoffverlust bis zu 70%.
Die tatsächliche Menge an Dopamin, die letztendlich zur Wirkung kommt bezogen auf die Einnahmedosis führt zu dem Begriff der sogenannten „Bioverfügbarkeit“. Diese kann durch andere Medikamente spürbar erhöht werden. Hierbei handelt es sich um die DC-Hemmer, die COMT-Hemmer und die MAO-B Hemmer.

Decarboxylase (DC)-Hemmer
Das in Tablettenform verabreichte L-Dopa wird bereits außerhalb des Gehirns, in der Peripherie, d.h. der Darmwand, der Leber und den kleinen Hirngefäßen durch das Enzym „Decarboxylase“ zu Dopamin umgebaut. Dies führte zu Beginn der Behandlung mit L-Dopa zu erheblichen Nebenwirkungen und zu einer Verringerung der tatsächlich im Gehirn verfügbaren bzw. möglichen Dopaminmenge.

Durch die Hemmung des Enzyms DC und damit der verfrühten Umwandlung von L-Dopa in Dopamin steigt die Menge von L-Dopa an der Grenze zum zentralen Gehirn, die als Bluthirnschranke bezeichnet wird. Da der DC-Hemmer aber diese nicht überwinden kann, kann nun im zentralen Gehirn ungestört die erhöhte Menge L-Dopa in Dopamin umgewandelt werden.
Zu diesen Hemmern zählen die Wirkstoffe Benserazid und Carbidopa

Catechol-O-Methyltransferase (COMT-) Hemmer
Dieses Enzym wandelt Dopamin sowohl im peripheren Bereich als auch im zentralen Hirnbereich in ein für die Therapie unwirksames Produkt mit der Bezeichnung 3-O-Methyldopa um, reduziert also das vorhandene Dopamin. Dieses 3-OMD tritt darüber hinaus in Konkurrenz mit L-Dopa an der Bluthirnschranke und vermindert damit das umwandelbare Ldopa im zentralen Bereich. Im zentralen Bereich entsteht durch COMT aus Dopamin das ebenfalls unwirksame 3-Methooxytyramin.

Hier setzen nun die als COMT-Hemmer bezeichneten Medikamente ihre Wirkung an. Sie verringern den Abbau von Dopamin wodurch ein vorhandenes Niveau länger und vor allem gleichmäßiger ohne Spitzen gehalten werden kann. Weiterhin ermöglicht es eine höhere Umwandlungsmenge von LDopa im Gehirn.

Bekannte Wirkstoffe sind hier Entacapon (Comtess) und Tolcapon (Tasmar). Ersteres wirkt ausschließlich auf der peripheren Seite, im Gegensatz zu Tolcapon, welches auf beiden Seiten aktiv ist.
Die Einnahme der Medikamente soll zusätzlich für eine gleichmäßige Anflutung von L-Dopa im Gehirn sorgen und damit die Bewegungsstörungen zum Zeitpunkt von maximalen Spitzenkonzentrationen verringern.

Monoaminooxidasen-B-(MAO-B-) Hemmer
Dieses Enzym baut ebenfalls Dopamin im Gehirn ab. Die Hemmung des Enzyms führt also ebenfalls zum Erhalt eines vorhandenen Dopamin-Spiegels. In dem Fachbuch steht übrigens „körpereigenes“ Dopamin, was nach meinem Verständnis das durch L-Dopa medikamentös aufgebaute Dopamin also nicht betrifft. Dies würde bedeuten, dass eine Wirksamkeit vom Krankheitsstadium abhängt und am Anfang, bei dem noch eigenes Dopamin im Hirn vorhanden ist, besser feststellbar sein dürfte.

Bekannte Medikamente sind Selegilin und Azilect

Amantadine
Über die Wirkung von Amantadinen sind zwei Theorien nachzulesen. Die ältere besagt, dass Amantadin die Wiederaufnahme von Dopamin hemmt und seine Freisetzung fördert. Gemeint ist hier wohl ein „Rückfluss“ von Dopamin in die Vesikel (kleine Vorratsbehälter) der Präsynapse, aus denen der Neurotransmitter nach Bedarf freigegeben wird. In wie weit sich das allerdings quantitativ auswirkt ist mir bisher noch nicht abschließend klar.

Die zweite, neuere Theorie geht von einem gänzlich anderen Ansatz aus, der sich nicht auf die Beeinflussung von Dopamin bezieht. Hier geht es um den motorischen Regelkreis, der durch verschiedene Botenstoffe gesteuert wird. Diese sind Dopamin, Glutamat und GABA. Eine funktionierende Steuerung beruht auf einem Zusammenspiel dieser Stoffe, welches durch die Medikation gestört ist. In diesem Zusammenhang blockiert das Amantandin die glutamatergen Rezeptoren (NMDA-Rezeptoren) und wirkt somit als Antagonist. Dies wirkt sich dann positiv auf die Symptome aus
Ein Beispielpräparat ist hier PK-Merz.

Quellenangabe
Grundlage der o.g. Ausführungen ist ein Buch, welches ich jedem ans Herz legen möchte. Es ist für mich eines der größten „Helfer“ im Umgang mit der Krankheit.

Reiner Thümler
Parkinson – Krankheit
Ein Leitfaden für Betroffene und Therapeuten
Erschienen im Springer Verlag

von Fritz (2014)