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Gesammelte Tremor-"Strategien"

Vor allem zu Beginn, aber auch im weiteren Verlauf unserer Erkrankung versuchen viele Tremor-Geplagte ihr Zittern in den Griff zu bekommen.

Wir, deren Erfahrungen wir hier gesammelt haben, probierten ebenfalls jeder für sich alles Mögliche aus. Die folgenden Möglichkeiten sind nicht wirklich effektiv, aber ein Versuch, den Akutfall zu überstehen.

  • die Hand mit einem "Spielzeug"(Kugelschreiber, Kaffeelöffel o.ä.) in Bewegung halten.
  • das hilft evtl. auch, wenn du etwas sagen willst und die Konzentration nicht mehr auf den Tremor richten kannst.
  • "Autogenes Training", vorab die Muskulatur lockern. Wenn man die Technik gut beherrscht, kann man in wenigen Minuten eine Entspannung erreichen, die dann vielleicht einige Zeit anhält.
  • PNF - das ist eine Physiotherapie speziell für Parkinson, bei der der Muskel gedehnt und gelockert wird, der ja enorm angespannt und fest ist, weil er permanent arbeitet.

Die meisten von uns haben einen Ruhetremor, der in der Regel bei Bewegung weg ist. Ebenfalls anzutreffen ist der Aktionstremor, der bei Aktivität (z.B Tasse zum Mund führen) auftritt.

Wir verfielen im Laufe der Zeit auf die verrücktesten Ideen, um die Herrschaft über unseren Körper zurückzuerlangen:

  • man versucht, den Tremor zu verbergen, indem man die eigensinnige Hand festhält oder in die Hosen-oder Manteltasche steckt
  • Im Büro wickelt man das zittrige Bein um den Bürostuhl und stellt evtl. auch den Arm ruhig.
  • manchem hilft Ignorieren u. Ablenkung
  • man klemmt die Hand unter dem Oberschenkel ein oder versucht es immer wieder mit Anspannen und Entspannen des Armes
  • man kann es den Südländern nachmachen und „mit den Händen reden" oder
  • versuchen, immer in Bewegung zu bleiben bis hin zu strammem marschieren, quasi auspowern
  • manche führen auf all ihren Wegen Strickutensilien bei sich, um die Hände zu beschäftigen
  • zu Hause werden Bastelarbeiten aller Art ausprobiert

Diese ganztägigen Versuche, den Tremor zu besänftigen oder gar zu unterdrücken führen oftmals dazu, dass man sich abends flügellahm und erschöpft fühlt.



Vielversprechender sind folgende Ansätze:

Den Tremor zulassen (wortlos oder auch mit einem selbstironischen bis sarkastischen Kommentar) – auch dies kann ein Weg sein.

Verschiedene Entspannungstechniken oder TaiChi können helfen, wenn sie der Entspannung wegen ausgeführt werden und kein Gedanke an den Zweck der Übung verschwendet wird.
Der Kopf ist nicht nur der Auslöser unserer Erkrankung, sondern auch zum Großteil ein Auslöser unserer Symptome.

Will man den Tremor verbergen, wird er „bockig“.

Der hilfreichste Weg - in Besprechungen mit fremden Menschen anfangs immer kurz und sachlich oder manchmal auch sarkastisch mit einem Lächeln outen und dann auf das eigentliche Thema zurück kommen.
Erfahrungsgemäß reagieren die GesprächspartnerInnen meist erleichtert wegen der Erklärung und zeigen sich freundlich verständnisvoll.

Zu sagen, dass man an Parkinson erkrankt ist, nimmt enorm viel Stress weg, d. h. der Tremor ist wesentlich geringer.

"Das Problem sind die externen Kollegen, denen man nicht als erstes mit "Tag, ich habe Parkinson" begegnen will." … Das ist verständlich.

Dennoch hilft, das Outing als Schritt nach vorn erleben - wenn man weiß, dass das Gegenüber die richtige Diagnose kennt und sich beim Anblick zitternder Extremitäten nicht selbst eine zusammenstrickt.

Fazit

Es geht weniger darum, den Tremor zu verstecken und/oder sich zu wehren.

Eher geht es darum, hinzuschauen und zu akzeptieren, so wie es eben ist. Und dadurch den Tremor nicht immer an erster Stelle zu lassen.

Dazu gehört, nicht zu vergessen - lieber etwas im stillen Kämmerlein zittern, als Medis einnehmen, um einzugreifen, wenn es die Lebenssituation nicht unbedingt erfordert.

Denn - Ich habe das!

Autor M.