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Tai Chi

Ich bin 59 Jahre alt und habe seit 2 Jahren Parkinson. (diagnostiziert - in Wirklichkeit eher länger)


Vor 2 Jahren bemerkte ich zum ersten mal ein Zittern auf der rechten Seite, Arm und Bein. Außerdem ist die rechte Seite etwas gebremst, nicht mehr so locker wie früher.
Ich habe nach einer essentiellen-Tremor-Diagnose eine Zweitmeinung eingeholt, die Parkinson diagnostizierte, was jetzt durch DAT-SCAN bestätigt wurde.

Insbesondere erscheint mir der Umstand erwähnenswert, das ich Tai Chi-Lehrer im Nebenberuf bin und selbst sehr viel Tai Chi praktiziere.
Tai Chi wird, wie ihr sehr wahrscheinlich wisst, als eines der besten Mittel gesehen, um die Parkinson-Behinderungen lange hinaus zu zögern bzw. die alte Beweglichkeit zumindest teilweise wiederherzustellen. Und es hilft, die Konzentrations- und Merkfähigkeit zu verbessern.

Aus meiner Sicht ist Tai Chi ein gutes Mittel gegen alle Probleme, die mit einer Einschränkung der Bewegung einhergehen, insbesondere Gleichgewichtsprobleme. Da Körper und Geist nicht getrennt sind, geht es einem danach auch einfach besser.
Man schließt wieder Freundschaft mit seinem Körper und entdeckt was da noch alles geht.
Tai Chi ist kein Wundermittel! Es wirkt nur so viel wie man sich einbringt. Einmal die Woche in einen Kurs gehen ist auch ganz nett, aber richtig entfalten kann sich das was Tai Chi mit sich bringt nur, wenn man auch täglich übt.
Eine sehr schöne Variante für jemanden, der noch keine Figuren des Tai Chi beherrscht, ist,
Tai Chi-ähnliche Figuren durch den Raum zu tanzen. Dies kann den Rigor lösen und den Tremor zumindest mildern. Ganz sicher aber hebt es die Stimmung.

Ich unterrichte weiter Tai Chi, da es mir gut tut. Es ist meine eigene Medizin.
Es ist nicht immer einfach, zitternd vor der Gruppe zu stehen. Ich erzähle bei der Vorstellungsrunde von meinem neurologischen Problem und werde somit auch ein Teil der Gruppe, in der die Teilnehmer oft mit Krankheiten zu mir kommen.
Ich bin der Meinung (mein Gefühl), dass ich durch mein Handicap eher ein besserer Lehrer geworden bin.
Wie lange das noch geht kann ich nicht sagen. Es macht mir schon etwas Angst, irgendwann meine Kurse absagen zu müssen. Bis heute denke ich, dass das die Schüler entscheiden sollen. Wenn keiner mehr kommt, bleibe ich zuhause.

Ansonsten gehe ich weiter arbeiten in einem Job in der IT, treibe Ausdauersport und habe Spaß am Leben mit meiner Familie.
Möge das noch lange so bleiben. Aber was sage ich, heute ist es so und was anderes interessiert mich nicht.

Ach ja, an Pfingsten bin ich zwei Wochen die ersten 10 Etappen des Jakobsweges gelaufen.

Ich jogge, fahre Rad und schwimme. An mindestens 3 Tagen die Woche bin ich so unterwegs.

Mein Lebensmotto: Immer in Bewegung bleiben.

Autor M. (2013)