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Fahrradfahren


Nachdem der Wunsch geäußert wurde, hier noch mal die Erfahrungen mit dem Radfahren darzustellen, will ich mich, als einer der berüchtigten PAoL-Radler auch nicht drücken. Zunächst: Ich fahre viel Fahrrad, weil es mir Spaß macht und ich stelle immer wieder fest, dass es mir gut tut. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, und es hat mich sogar auch gar nicht interessiert, warum das so ist. Dass Mediziner sich jetzt allmählich mit dem Thema Parkinson und Radfahren beschäftigen und uns möglicherweise bald erklären können, warum es uns so gut tut, ist sicher nicht das Schlechteste.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich, wenn ich eine Radtour von einer Woche mache, die ganze Woche über kaum Parki-Symptome habe, also auch dann, wenn ich nicht auf dem Rad sitze. Dass das Radfahren die Beweglichkeit fördert und natürlich auch für den Kreislauf gut ist, ist wohl selbstverständlich. Nur die Hoffnung, das Radfahren werde auch mein Körpergewicht etwas reduzieren, hat sich leider nicht erfüllt.
Eine Voraussetzung für das Radeln ist aber natürlich, dass der Radler seinen Körper kennt und weiß, was er ihm zumuten kann und wo die Grenzen sind. Und vor allem: als Radler nimmt man unweigerlich am Straßenverkehr teil, und das geht nur, wenn man auch in Reaktion und Gleichgewicht-Halten die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. Fürs Radfahren gilt das gleiche wie fürs Autofahren: Sicherheit geht vor, und wenn's nicht mehr geht, dann geht's eben nicht mehr. Bloß nicht sich und andere gefährden.

Für mich der vielleicht wichtigste Aspekt ist, dass ich nicht radle aus Trainingsgründen oder als bewusste Therapie, sondern weil's mir Spaß macht. Wenn ich mich dazu zwingen müsste, hätte das Radfahren bestimmt nicht diesen positiven Effekt. Ich merke das am deutlichsten im Winter, wenn ich immer wieder daran scheitere, meine guten Vorsätze, regelmäßig auf dem Hometrainer in die Pedale zu treten, umzusetzen.
Für mich gehört das Radfahren zu meinem Alltag, ist Bestandteil meines Lebens; ich könnte mir nicht vorstellen, mich mit einem gezielten Trainingsprogramm, womöglich noch EDV-gesteuert, aufs Rad zu setzen und mit einer vorgeschriebenen Frequenz und einem Richttempo zu treten, weil dies nach wissenschaftlicher Forschung die positivsten Folgen hat.

Wir haben an anderer Stelle über den Begriff eines normalen Lebens diskutiert. Für mich heißt normal in dem Zusammenhang, dass ich mich und meinen Körper nicht als zu behandelndes Objekt ansehe, sondern dass ich mit einer Krankheit lebe und mein Leben aber nach meinen Bedürfnissen und Vorlieben ausrichte, ich mich also nicht als medizinischen Fall verstehe.
In diesem Sinne käme es mir auch niemals in den Sinn, anderen Parkis zu empfehlen: Ihr müsst unbedingt Fahrrad fahren. Macht's, wenn's Euch Spaß macht, wenn nicht, lasst es bleiben und macht was anderes.

Autor J.