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Tremor


Eines der auffälligsten äußerlichen Symptome des Parkinson ist der Tremor in verschiedenen Variationen.

Ein Verräter, der dafür sorgt, dass ich mich oute, ob ich will oder nicht.

Durch ihn bin auch ich bereits in den Verdacht geraten, eine gewisse tägliche Ration an alkoholischen Getränken noch nicht intus zu haben. Spätestens in diesem Moment fühle ich mich einer hilflosen, traurigen und auch zornigen Ohnmacht ausgesetzt.

Zusätzlich zu dem ohnehin belastenden Gefühl, meinen Körper oder zumindest Teile davon nicht mehr kontrollieren zu können.

Normalerweise hält sich mein Tremor in Grenzen. Dann, wenn ich artig bin… um jede Art von Stress herum schippere und meine Medikamente pünktlich einwerfe.

Allerdings gräbt mittlerweile regelmäßig über Nacht irgendjemand eine tiefe L-Dopagrube vor meinem Bett und lässt mich morgens aus den Federn direkt ins OFF plumsen.

Bis mein Dopaminspiegel sich einigermaßen erholt hat, sitze ich dann schon mal in meiner Küche auf dem Fußboden, zitternd wie Espenlaub. Ich habe das Gefühl, in alle Richtungen auseinander zufließen. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten geschweige denn, irgendetwas mit meinen Händen zustande bringen.

In solchen Phasen schickt Parkinson nicht nur den Tremor vorbei. Nein, er kommt gleich persönlich mit seinem gesamten Gefolge… er macht mich unbeweglich und langsam, unbeholfen und… ungeduldig, unwirsch, selten auch verzweifelt.

Auch 10 Jahre nach meiner Diagnose arbeite ich immer noch daran, insbesondere mit dem Tremor umzugehen… für mich und nach außen.

Dabei habe ich beizeiten festgestellt… das beste, effektivste entlastendes Mittel ist und bleibt die Flucht nach vorn. Über mich selbst witzeln, mein Gegenüber einbeziehen, ihm/ihr die Gelegenheit zu geben, für sich (und damit auch mich) Stellung zu beziehen.

An der Supermarktkasse lasse ich oft andere Leute vor. Die freuen sich und ich nehme mir den Druck, schnell fertig werden zu „müssen“.

Mit meinem Chef traf ich folgende Vereinbarung – bei anstehenden geschäftlichen Gesprächen, in denen ich dabei sein sollte, „warnte“ er die Geschäftspartner vor.

Wenn ich weiß, dass ich mit einem Menschen öfter zusammentreffen werde, schenke ich von vornherein reinen Wein ein und oute mich, denn tu ich es nicht, tut’s der Parkinson.

Generell hilft mir in Shit-Phasen, in meinem Garten zu werkeln. Dem Unkraut ist mein Befinden egal und unter Bewegung kann ich die On- und Off-Phasen besser regulieren und die Überbewegung kanalisieren.

Das Kraut, das in meinem Garten gegen den Tremor und überhaupt gewachsen ist, heißt also offensichtlich „Unkraut“. Und das wird auch nie alle.

Eingefleischte Gärtner behaupten ja ohnehin, es gäbe kein Unkraut, sondern nur ungeliebte Kräuter.

Autor M.