Ein hilfreicher Irrtum (Selbsthilfegruppe für Angehörige)

Familie

Ich erkunde gerade die Aktionen und Angebote des Parkinson-Info-Tages in München, als eine Frau kurz in die Runde fragt, ob noch jemand an der Gesprächsrunde teilnehmen möchte. Ein kurzer Blick auf den Hinweis „Selbsthilfegruppe“ dann trete ich ein. Geschätzt 12 Frauen sitzen bereits da.

Die Moderatorin schlägt vor, auf eine Vorstellung zu verzichten und sofort zu beginnen.

Eine Teilnehmerin legt auch schon los: „Mein Mann hat Parkinson. Immer wenn wir pünktlich außer Haus müssen, trödelt er herum und lässt mich einfach warten. Ich muss ihn ständig ermahnen: „Mach doch! Wir kommen schon wieder zu spät. Beeil‘ dich!“ Das nervt mich so! Und was macht mein Mann? Keinerlei Anstalten, sich zu beeilen. Ganz im Gegenteil, er verzieht keine Miene. Tut so, als ob ihn das gar nichts angehen würde. Ich bin am Verzweifeln! Kennt ihr solche Situationen auch?“

Oh je, da bin ich wohl als Parkinson-Erkrankte in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige gelandet?! Einerseits möchte ich die Gruppe sofort verlassen, andererseits bin ich innerlich total aufgewühlt. So kann ich die Aussagen nicht stehen lassen! Ich oute mich als Betroffene und kläre meinen Irrtum auf, werde tatsächlich gebeten, trotzdem zu bleiben.

Ich sehe in große Augen, während ich erkläre, dass Druck genau das Gegenteil bewirkt und die fehlende Mimik krankheitsbedingt ist und weder Absicht noch Desinteresse dahinterstecken. Außerdem können eine zunehmende Bewegungsverlangsamung sowie ein verändertes subjektives Zeitempfinden ihren Teil beitragen. So folgt Frage um Frage.

Eine Angehörige sagt abschließend: „So viel habe ich noch nirgends über Parkinson erfahren! Ich sehe großen Rede- und Austauschbedarf.

Ich bestätige abschließend: „Ja, sich gegenseitig respektieren und offen miteinander reden, aber bitte nicht ständig thematisieren“.

Canty 18.09.2022



Angehörige tauschen sich aus

Allein schon der gute Besuch der Angehörigengruppe zeigte, dass es sinnvoll ist, dass sich Angehörige quasi als Mitbetroffene der Erkrankung zusammensetzen.

Die sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von eigenen Erfahrungen. Manche auch in ziemlicher Offenheit. Die Gespräche kreisten um zwei Themen: das eine war, die Beziehung trotz einiger Belastung aufrechterhalten zu wollen. Das andere: wie gelingt es mir trotzdem, das eigene Leben, Interessen und Hobbys nicht unter die Räder kommen zu lassen?

In beiden Punkten wurden Erfahrungen in großer Offenheit ausgetauscht. Das Gruppentreffen wurde als ausgesprochen nützlich und angenehm empfunden.

Wolfgang Braun (Angehöriger)


Parkinson-Selbsthilfegruppen sind Gruppen von Menschen, die entweder selbst an Parkinson erkrankt sind oder Angehörige von Parkinson-Patienten sind. Diese Gruppen haben das gemeinsame Ziel, sich gegenseitig zu unterstützen, Informationen auszutauschen und Erfahrungen zu teilen, die mit der Parkinson-Erkrankung verbunden sind. Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle soziale Unterstützung und können eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Herausforderungen von Parkinson spielen.

Hier sind einige Vorteile und Merkmale von Parkinson-Selbsthilfegruppen:

Erfahrungsaustausch: Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, Erfahrungen mit anderen Betroffenen zu teilen. Dies ermöglicht es den Mitgliedern, von den Erfahrungen anderer zu lernen und praktische Tipps im Umgang mit der Erkrankung zu erhalten.

Emotionale Unterstützung: Eine Parkinson-Diagnose kann emotional belastend sein, sowohl für den Betroffenen als auch für die Angehörigen. Selbsthilfegruppen bieten einen sicheren Raum, in dem Menschen ihre Gefühle und Ängste teilen können, ohne Angst vor Stigmatisierung oder Verurteilung zu haben.

Information und Bildung: Selbsthilfegruppen bieten oft Informationsmaterial über die Parkinson-Erkrankung, Behandlungsmöglichkeiten und bewährte Bewältigungsstrategien. Dies kann den Mitgliedern helfen, besser über ihre Erkrankung informiert zu sein und fundierte Entscheidungen im Umgang mit ihrer Gesundheit zu treffen.

Gemeinschaft und soziale Kontakte: Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ermöglicht es den Betroffenen, Gleichgesinnte zu treffen und soziale Kontakte aufzubauen. Dies kann dazu beitragen, die Isolation zu verringern, die durch die Erkrankung entstehen kann.

Unterstützung für Angehörige: Parkinson betrifft nicht nur den Betroffenen selbst, sondern auch seine Angehörigen. Selbsthilfegruppen bieten auch den Angehörigen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen zu teilen und Unterstützung zu erhalten.

Es gibt verschiedene Arten von Parkinson-Selbsthilfegruppen, einschließlich persönlicher Treffen vor Ort, Online-Gruppen und Telefonkonferenzen. Einige Selbsthilfegruppen werden von professionellen Organisationen oder gemeinnützigen Vereinigungen organisiert, während andere von engagierten Einzelpersonen geleitet werden.

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