Anästhesie Teil 3

Perioperatives Management Wichtige Informationen zur Zeit vor, während und nach einer Narkose

Präoperative Phase Vor jeder Operation findet ein Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt (Anästhesist) statt, in dem Patienten ihre Fragen vorbringen können. Sehr hilfreich für den Anästhesisten wäre eine schriftliche Übersicht über alle wesentlichen Vorerkrankungen und die aktuelle Medikation. Eine solche Übersicht bei Patienten mit Morbus Parkinson wäre ohnehin zu empfehlen, auch für jeden anderen Erstkontakt mit einem Arzt. Der Narkosearzt klärt sie über Risiken der Operation und mögliche Komplikationen auf. Mit dem Wissen um die Vorerkrankungen ist es dem Anästhesisten möglich, die jeden Patienten die individuell verträglichste und beste Narkose auszuwählen.

Umgang mit den Parkinson-Medikamenten vor der Operation Wenn die Operation nicht notfallmäßig erfolgt, sondern geplant werden kann, sollten MAO-B-Hemmer (Rasagilin, Selegilin) 14 Tage vor der Operation abgesetzt werden. Intra- und postoperativ gehört die Gabe von Opioiden zur Schmerzlinderung zum Narkosestandard. Eine Interaktion zwischen einem solchen Opioid (z.B. Tramadol) und Rasagilin/ Selegilin kann zu einem serotonergen Syndrom (Agitation, Muskelsteifheit, Hyperthermie) führen. Sobald postoperativ auf eine Therapie mit Opioiden verzichtet werden kann, ist die erneute Gabe von Rasagilin/Selegilin wieder möglich. Handelt es sich um eine Notoperation unter einer Therapie mit Rasagilin/Selegilin, sollte unbedingt auf eine Analgesie mit Pethidin oder Tramadol verzichtet werden.

Operation Wenn eine Operation länger dauert und dadurch mehr als eine Einnahmezeit für L-Dopa wegfallen, ist eine Überbrückung dieser Zeit durch die Gabe von Dopamin-Ersatzpräparaten erforderlich, um eine Verschlechterung der Beweglichkeit, der Schluckfähigkeit und der Atmung oder sogar die Entwicklung eine akinetische Krise zu vermeiden.

Folgende Medikamente kommen infrage: • Amantadinsulfat intravenös (z.B. PK-Merz Infusionslösung 200 mg 5i.v. über 3 Stunden) • Rotigotin Pflaster 4 – 12 mg (je nach ausgefallener L-Dopa Äquivalenzdosis) • Apomorphin subkutan über einen Pen (z.B. 3 mg s.c. aller 3 Stunden)

Zeitliche Einnahme der Parkinson-Medikamente Die Halbwertszeit von L-Dopa ist kurz und eine Unterbrechung der L-Dopa-Therapie über 6 – 12 Stunden kann zu einer deutlichen Verschlechterung der Parkinson-Symptomatik mit Zunahme der Muskelsteifheit bis hin zur Parkinson-Krise (agnatische Krise) mit lebensbedrohlichen Symptomen wie Schluck- und Atemstörungen führen. Daher sollten die Parkinson-Medikamente bis zum Morgen der Operation und unmittelbar postoperativ kontinuierlich eingenommen werden. Die letzte Einnahme der Parkinson-Medikamente erfolgt aus diesem Grund mit wenig Wasser am Morgen vor der OP. Der Parkinson-Patient sollte möglichst zügig (als erster) operiert werden. Sobald die Schluckfähigkeit nach der OP wieder hergestellt ist, sollte die gewohnte Einnahme der Parkinson-Medikamente sofort wieder aufgenommen werden. Da Parkinson-Medikation sehr spezifisch ist, sollten ausreichend Medikamente (für drei Tage) mit in die Klinik genommen werden, damit allein durch das nötige Bestellen in der Klinikapotheke eine Unterbrechung der Einnahme vermieden wird.

Nach der Operation/Narkose sollte besonders streng auf die Einhaltung der Einnahmeintervalle (z.B. alle 3 Stunden) geachtet werden. Leider wird dies oft nicht ernst genommen und die Medikamente werden einfach dreimal täglich verabreicht – allein dies kann zu erheblichen Problemen bis hin zu Verwirrtheit und Psychose führen, was unbedingt vermieden werden sollte. Sobald Sie wieder schlucken können, nehmen Sie Ihre Parkinson Medikamente wieder nach vorbestehendem Plan ein! Ist es der Familie möglich, hat es sich als ausgesprochen hilfreich erwiesen, den Patienten zumindest in den ersten drei postoperativen Tagen in der Klinik über den Tag zu begleiten, um insbesondere die regelmäßige Einnahme der Medikation und eine ausreichende Trinkmenge sicherzustellen. Das bekannte Gesicht hilft dem Patienten bei der Neuorientierung und ist ein guter Schutz vor dem möglichen postoperativen Delir (Verwirrtheit).

Die sogenannte postoperative Erholungsphase (Rekonvaleszenz) nach einer Operation dauert bei Parkinson-Patienten meist etwas länger. Dies sollte zunächst nicht beunruhigen und zu täglichen Bewegungs- und Atemübungen in Eigenregie anregen. Wenn es jedoch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einer deutlichen Zunahme der motorischen Einschränkungen oder gar zu einem postoperativen Durchgangssyndrom mit Verwirrtheit und Desorientiertheit kommt, ist eine stationäre Neueinstellung in einer Parkinson-Fachklinik zu empfehlen. Bei guter Vorbereitung ist es aufgrund der heute möglichen modernen Narkoseverfahren und hervorragender Überwachungsgeräte heute möglich, eine Narkose auch bei Parkinson-Patienten sicher und verträglich durchzuführen, wenn alle oben genannten Besonderheiten Beachtung finden.

Dr. med. Ilona Csoti
Ärztliche Direktorin
Gertrudisklinik Biskirchen
Quelle: Gesundheitskompass Mittelhessen Ausgabe 4/2017 vom 5.10.2017
https://gesundheitskompass-mittelhessen.de/200-anasthesie-bei-parkinson/


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** Tipp: Nehmen Sie alle Parkinson-Medikamente für drei Tage mit in die Klinik.**

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