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ParkiPedia:
gesammeltes Patienten-Wissen

PatientINNen Manifest

Wie wir als Patienten / Patientinnen im Krankenhaus behandelt werden möchten

„Ihr Eindruck ist subjektiv, meiner objektiv und damit richtig“, befand der Chef einer Neurologie-Station und angebliche Parkinson-Experte gegenüber einer Patientin. Er hatte sie dreimal für ca. vier Minuten während der Visite gesehen und meinte, sich damit eine Gesamteinschätzung erlauben zu können. Sein Eindruck stand fest, die Schubladen waren auf und die betreffende Patientin einsortiert: nach Hoehn & Yahr Stufe 1, 2, 3, 4 oder 5 und der für die jeweilige Stufe empfohlene und / oder gerade gängige Medikation.

Genauso möchten wir nicht behandelt werden.

Vielmehr wünschen wir uns Ärzte, die uns zuhören, unsere persönlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen ernst und uns als Individuum wahr nehmen. Die mit uns gemeinsam die Krankheit „Morbus Parkinson“ entschlüsseln und in all ihren unterschiedlichen Ausformungen kennenlernen wollen, um sie gezielter therapieren und uns helfen zu können.

Auch und besonders in Akut-Kliniken und Krankenhäusern.

Die folgende Auflistung möchte verdeutlichen, wie das funktionieren könnte:

1. Behandlungsinhalte,-schwerpunkte und -ziele werden mit der Patientin /dem Patienten besprochen, ihr /ihm transparent gemacht, schriftlich festgehalten und allen an der Behandlung Beteiligten zur Kenntnis gebracht. Gemeinsam wird überprüft, ob und ggf. was geändert werden soll und muss. Nachfragen und Wünsche der Patientin / des Patienten sind dabei zu berücksichtigen.

Behandelnde Ärzte sollten nichts beschönigen oder verharmlosen, unsensible Vokabeln wie „austherapiert“ jedoch aus ihrem Wortschatz verbannen.

2. Auch über eine notwendige Anpassung und Änderung der Parkinson – Medikation und sich daraus ergebene, mögliche Nebenwirkungen ist die Patientin /der Patient zu informieren. Einzubeziehen sind dabei auch andere Medikamente, die sie / er punktuell oder ständig einnimmt. Es kann und darf nicht sein, dass ein an Parkinson Erkrankter nebenbei in der Apotheke erfährt, dass einzelne seiner Medikamente mit der Parkinsonmedikation korrelieren und gefährliche Auswirkungen haben können.

Auf Wunsch und nach Absprache wird der Patientin/dem Patienten ermöglicht, zur Verfügung gestellte oder mitgebrachte Medikamente eigenverantwortlich einzunehmen. Dies besonders vor dem Hintergrund, dass in der Klinik häufig preisgünstigere Gerenika ausgegeben werden, die aufgrund vom Original abweichender Formung und Färbung nicht immer von der Patientin / dem Patienten erkannt werden können und aufgrund unterschiedlicher „Füllstoffe“ auch nicht immer die identische Wirkung haben wie die Originalprodukte.

Zitat: „mir gefallen die Kliniken nicht, die einfach Tabletten bringen, die ich noch nie gesehen habe und keine Erklärung dazu abgeben. Ich möchte immer wissen, was ich einnehme.“ Die / Der Erkrankte ist darauf vorzubereiten, dass eine in der Klinik eingestellte Medikation im Berufs- oder Familienalltag nicht deckungsgleich wirkt, sondern nur ein Grundschema ist, das an die jeweilige Lebenssituation und -wirklichkeit angepasst werden muss.(z.B. Arbeits- und Essenszeiten innerhalb der Familie)

3. Die Patientin / Der Patient sollte jederzeit wissen und nachvollziehen können, wer was in der Klinik warum mit ihr /ihm macht. Alle an der Behandlung Beteiligten (medizinisch, therapeutisch, ernährungs- und sozialberatend) sind über 1) und 2) informiert und im Austausch. Dies setzt eine kontinuierlich aktualisierte und nachvollziehbare Dokumentation voraus, die nicht über den Kopf der Patientin /des Patienten erfolgt, sondern die sie / ihn einbezieht.

Arztbriefe, Gutachten, Berichte usw., die häufig weit reichende Konsequenzen haben, werden dem Patienten zumeist als „Fertigprodukt“ vorgelegt, ohne dass er Fragen dazu stellen und / oder Ergänzungs- und Änderungswünsche einbringen konnte. Nicht selten enthalten diese Berichte jedoch Fehler oder Ungenauigkeiten, die fatale Auswirkungen haben können, z.B. auf den Grad der Erwerbsminderung oder Behinderung (GdB) oder die Höhe des Pflegesatzes. Nachträgliche Korrekturen einzufordern, kosten Zeit und Energie und sind keineswegs immer erfolgreich.

Wünschenswert wäre, dass alle unseren Gesundheitszustand betreffenden Berichte, Arztbriefe, Gutachten etc. zuerst uns Patienten vorgelegt und unsere Rückmeldungen und Fragen berücksichtigt werden.

4. Das Personal achtet die Persönlichkeitsrechte und Intimsphäre der Patientin / des Patienten. U.a. äußert es sich darin, dass an der Tür geklopft wird statt das Zimmer einfach zu betreten. Behandelnde sprechen sie /ihn direkt an und nicht in seiner /ihrer Gegenwart über sie /ihn: Erster und vorrangiger Ansprechpartner ist die Patientin /der Patient – nicht die mit behandelnden Kollegen. Ihre / seine Wahrnehmungen, Miss- und Schmerzempfindungen sind ernst zu nehmen.

Während der Visiten, der Grund- und Erstversorgung sowie allen im Zimmer statt findenden Untersuchungen / Behandlungen ist die Tür zu schließen.

Ein Sichtschutz gehört zur Standardausstattung der (Mehrbett) Zimmer.

Zitat: „In einer Akutklinik kam ich auf dem Weg in den Speisesaal immer an den Zimmern von Schwersterkrankten vorbei. War jemand bei ihnen, stand die Tür immer offen. Es hätte nicht mehr als zwei Sekunden gebraucht, sie zu schließen. Natürlich habe ich immer in die andere Richtung geguckt. Trotzdem fand ich das Verhalten der Ärzte, Therapeuten entwürdigend und gedankenlos.“

5. Die Terminierung von Mahlzeiten und therapeutischen / medizinischen Maßnahmen sollte mit der Medikation des Parkinsonpatienten /der Parkinsonpatientin harmonieren und dieser angepasst sein. Um die notwendigen Zeitabstände z.B. zur L-Dopa-Einnahme einhalten zu können, sind individuell flexible sowie praktikable Zwischen- und Alternativlösungen zu finden, z.B. dass Mahlzeiten im Speisesaal abgeholt und zeitlich versetzt eingenommen werden.

Zitat: „Es kann nicht sein, dass nach einer sogenannten "Krankenhausroutine“ z.B. das Mittagessen um 12 Uhr gereicht wird und nur um 12 Uhr und zu keiner anderen Zeit (und dadurch) eine geplante "Neueinstellung" völlig sinnlos wird. Denn wenn ich ungünstige Eiweißmahlzeiten zu meinen L-Dopas bekomme, wirken sie nicht und wenn ich wegen Nicht- oder Geringwirkung mehr L-Dopa bekomme, ist das eine Verzerrung des wirklichen Körperzustandes.“

6. Wir möchten unsere Ärztinnen und Ärzte in den Kliniken und Reha-Institutionen als Partner und Begleiter verstehen, nicht als „Götter in Weiß“. Unabhängig von deren Titel und hierarchischer Position wünschen wir uns Mediziner/Innen, die sich bei der Visite und im Patientengespräch Zeit nehmen und mit uns auf Augenhöhe und in verständlicher Sprache sprechen. Unabhängig von der Visite sollte eine Ärztin /ein Arztgrundsätzlich zeitnah als Ansprechpartner für Fragen zur Verfügung stehen –und sei es telefonisch.

Besonders wichtig ist dies bei medikamentösen Umstellungen, die im Tagesverlauf unvorhergesehene Schmerzen, Bewegungsstörungen und Ängste auslösen.Ein Satz wie „Warten Sie auf die morgige Visite“ sollte der Vergangenheit angehören.

7. Ziel der Behandlung sollte sein,den (Zitat) chronisch erkrankten Patienten so auf seinen Alltag vorzubereiten und einzustimmen, dass er sich selber eigenverantwortlich und unabhängig helfen kann“.

Verfasserin ricca

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4-kliniken-reha/4-1-patienten_manifest.txt · Zuletzt geändert: 2021/09/26 von como