Pumpentherapien
Wenn Tabletten bei fortgeschrittenem Morbus Parkinson nicht mehr zuverlässig wirken – z. B. wegen Fluktuationen („On-Off-Phasen“) oder Wirkverlust –, kommen sogenannte Pumpentherapien infrage. Dabei werden Medikamente kontinuierlich über eine Pumpe verabreicht, um die Dopaminversorgung konstanter zu gestalten.
Bei starken Wirkfluktuationen, Offs und Dyskinesien bei oraler Medikamentengabe gibt es als alternative Therapie den Einsatz von Medikamentenpumpen, die den Wirkstoff kontinuierlich abgeben. Bei der Apomorphinpumpe geschieht das subkutan, d.h. der Wirkstoff Apomorphin wird unter die Haut gespritzt. Bei der Duodopapumpe wird das Levodopa in Gelform intestinal, d. h. direkt dem Dünndarm, zugeführt.
Apomorphinpumpe
Das Medikament Apomorphin gehört zur Gruppe der Dopamin-Agonisten, wird aber nur subkutan per Pen oder Pumpe verabreicht. In dieser Form wirkt es stärker als die oral verfügbaren Dopamin-Agonisten Rotigotin, Pramipexol und Ropinirol. Da das Medikament per Injektion sehr schnell wirkt (5-8 Min.), ist der Pen ein ideales Notfallmedikament bei drohenden starken Offs. Für die kontinuierliche Abgabe (normalerweise tagsüber) steht eine in einem Beutel oder Gürtel tragbare Infusionspumpe mit Teflon-Nadel zur Verfügung. Mögliche Nebenwirkungen sind Tagesmüdigkeit und Übelkeit (typisch für Dopaminagonisten). Ein größeres Problem auf längere Sicht sind Hautveränderungen durch die Injektionen (Knötchenbildung), was durch den ständigen Wechsel der Einstichstellen verhindert werden soll. Diese Komplikation kann aber trotz guter Wirkung des Medikaments zum Abbruch dieser Therapie führen.
Dopapumpen
Bei den Dopapumpen erfolgt die direkte Zufuhr des Gold-Standard-Medikaments Levodopa in den Dünndarm mittels eines Kathetersystems durch die Bauchwand (PEG-Sonde) und einer extern getragenen Pumpe.
Zwei ähnliche Systeme sind derzeit im Einsatz:
LCIG – Levodopa/Carbidopa GastroIntestinalGel
entspricht der üblichen Kombination von Levodopa mit Cardidopa oder Benserazid
LECIG – Levodopa/Entacapone/Carbidopa IntestinalGel
Diese Kombination ist neu auf dem Markt und entspricht der oralen Dreierkombination (zusätzlich mit dem Comt-Hemmer Entacapone) und hat wie diese eine bessere Wirksamkeit als LCIG. Es wird weniger Wirkstoff benötigt und die Pumpe kann kleiner dimensioniert werden.
Die Pumpensysteme haben den Vorteil, dass sie Kehlkopf, Speiseröhre und Magen umgehen. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die Patienten Schluckstörungen haben und der Magen langsam arbeitet. Die Systeme können stationär vorher getestet werden; die Wirkung der Dopapumpe kann durch eine Nasensonde simuliert werden. Danach kann der Patient entscheiden, ob die PEG-Sonde gelegt werden soll. Voraussetzung für den Erfolg beider Pumpensysteme ist die Einstellung in einem spezialisierten Zentrum und eine gründliche Einführung in die Handhabung (auch der Angehörigen/ Pflegenden).
Fazit: Die Pumpensysteme sind eine gute Option für die spätere Krankheitsphase, die aber nicht sehr bekannt sind. Es gab 2019 eine kurze Umfrage im Forum zum Thema Bekanntheitsgrad:
Ergebnis der Umfrage: - wie beurteilst du deinen Kenntnisstand bezüglich der Duodopa-Pumpentherapie?
Aus den Berichten geht hervor, dass die Apomorphinpumpe von den Usern des Forums mehr genutzt wird als die Dopapumpe. Das kann aber auch daran liegen, dass die Dopapumpe eher im späteren Stadium/Alter genutzt wird und diese Klientel nicht mehr so schreib freudig ist.
Vergleich der Pumpensysteme
Apomorphinpumpe
| Indikation wirkt bei | Kontraindikation bei |
| Milden kognitiven Beeinträchtigungen | Schwerer Demenz |
| Milden Halluzinationen | Psychose (intrusive psychosis) |
| RLS (Restless Legs) | Orthostatische Hypotonie |
| Depression und Ängstlichkeit | - |
Dopapumpe (Levodopa-Carbidopa Intestinal Gel (LCIG; Duo-dopa))
| Indikation wirkt bei | Kontraindikation bei |
| Verstopfung, Schluckstörung, Speichelfluss | Schwerer Demenz |
| Schlaflosigkeit, starke Tagesmüdigkeit | Neuropathie |
| Fatigue, RLS | Psychose (intrusive psychosis) |
| Depression und Ängstlichkeit | - |
| Milden kognitiven Beeinträchtigungen | - |
| Apathie | - |
Es dürfen keine Kontraindikationen gegen die Anlage einer PEG-Sonde bestehen.
Verfasserin: Dororicklingen
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