Parkinson und Meditation – eine kraftvolle Verbindung, die immer mehr an Bedeutung gewinnt. Obwohl Meditation die Krankheit nicht heilen kann, hilft sie vielen Menschen mit Parkinson dabei, besser mit den körperlichen, emotionalen und kognitiven Herausforderungen der Erkrankung umzugehen.

Von allen großen Religionen sind Meditationstechniken bekannt und werden auch heute noch angewandt. Sie helfen den Praktizierenden, eine spirituelle Weltsicht zu entwickeln, einen direkten, persönlichen Zugang zu religiösen Wahrheiten zu finden und aus ihnen heraus zu handeln. Menschen, die über längere Zeit meditieren, entwickeln eine besondere Klarheit im Denken, die Fähigkeit zum Mitgefühl, die tiefe Empfindung, dass alle Lebewesen miteinander verbunden sind. Und insbesondere mit den östlichen Religionen assoziieren wir das Bild eines weisen Menschen, der unerschütterlich sitzend meditiert und allen Unbilden trotzt. Es gibt verschiedene Arten der Meditation. Die Beobachtung des Atmens kann im Zentrum des Meditierens stehen, aber ebenso kann auch ein Gegenstand (z.B. eine Blume), ein geistiges Bild (der gekreuzigte Jesus) oder ein Empfinden (wie Mitgefühl) im Fokus einer achtsamen Betrachtung stehen. Meditation kann aus einer ruhenden Position heraus geschehen, klassischerweise im Lotussitz. Es gibt aber auch Meditationen, die aktive Bewegungen einfordern, z. B. Gehmeditation, Yoga-Übungen und die dynamische Meditation nach Osho.

Wenn von Meditation gesprochen wird, dann denken die meisten Menschen sofort an die Sitzmeditation. Wir kennen alle die unzähligen Figuren, die Buddha im Lotussitz zeigen (Sitz auf dem Boden mit überschlagenen Beinen). Wir sehen sie als Deko‑Ware in öffentlichen Räumen, in Wohnungen und in Gärten. Manchmal sind sie kitschig geraten. Sie dokumentieren so, wie groß das Interesse an fernöstlichen Weisheiten ist. (Aber auch wie oberflächlich der Buddhismus häufig rezipiert wurde.)

In den letzten 20 Jahren zeigten wissenschaftliche Untersuchungen, dass klassische „passive“ Verfahren der Meditation wie die Sitzmeditation mit der Zeit das Gehirn physiologisch und anatomisch verändern und die Meditierenden tatsächlich ruhiger, gelassener, angstfreier und psychisch stabiler (resilienter) werden, was sich nicht zuletzt auch auf die Qualität der zwischenmenschlichen Bindungen auswirkt. (vgl. Wikipedia: Meditation, Kapitel 4.1 und 4.1.1)

//„Einige Autoren systematischer Übersichtsarbeiten bemängelten die methodische Qualität vieler Studien, kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass es Hinweise gibt, dass Achtsamkeitstraining sich günstig auf verschiedene Aspekte psychischer Gesundheit auswirkt, wie z. B. auf die Stimmung, Lebenszufriedenheit, Emotionsregulierung, und auf das Ausmaß psychischer Symptome.“ // (Wikipedia: Meditation, Kapitel 4.2)

In vielen Untersuchungen konnten die Forscher beobachten, dass in der Folge von Meditation hoher Blutdruck, Cholesterin- und Cortisolwerte sanken. Auch hier haben viele Studien aufgrund geringer Fallzahlen einen nicht so hohen Stellenwert (eine geringere Evidenz). Sie zeigen aber eine positive Tendenz. (siehe Wiki, ebd.)

In einer Zeit, die vermehrt negativen Stress aufkommen lässt, gibt die Meditation einen Raum, um auf sich selbst zu achten und den Stress zu regulieren. Heute hat die Meditation ihren exotischen Charakter weitestgehend eingebüßt. Sie wird, von einem religiösen Kontext weitestgehend abgespalten, regelmäßig im Sinne einer Entspannungstherapie und im Stressmanagement eingesetzt.

Die Meditation, die ich jetzt vorstellen will, gehört zum Kreis der „Achtsamkeitsmeditationen“. Ich habe sie in einer Gruppe erlernt, die sich auf den Zen-Buddhismus der Soto-Schule berief.

Zuallererst möchte ich betonen, dass die Sitzmeditation eine ganz und gar praktische Übung ist. Das ist auch der Grund, warum Meditation nicht auf ein spezifisches religiöses Umfeld angewiesen ist und auch ohne Bindung an eine Religion funktioniert. Im Grunde erstelle ich mit dem aufrechten Sitzen und meinem achtsamen Geist eine idealtypische Beobachtungssituation: Ich sitze in entspannter Haltung und warte auf das, was in meinem Geist an Eindrücken auftaucht. Gerade, wenn wir als Anfänger beginnen, drängen sich in uns Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und Außenweltreize auf. Unsere Gedanken kreisen z. B. darum, dass wir immer noch wütend auf den Partner sind, dass die Knie schmerzen, dass der Wasserhahn im Bad tropft. In der Meditation versuche ich nun, diese Eindrücke nur wahrzunehmen und ihnen nicht zu folgen oder mich gar in ihnen zu verfangen. Ich bleibe im Modus des Schauens. Ich denke nicht daran, Lösungen für vermeintliche Probleme zu finden oder gar zu grübeln, ich tue … nichts. „Ah, da ist der nervende Gedanke! Da ist das Fernsehbrummen!“, stelle ich dann innerlich fest. Und mit ein bisschen Glück entdecke ich, dass der Gedanke, die störenden Geräusche, vergehen und sich nicht mehr in den Vordergrund drängen.

Merke ich aber, dass ich einem solchen Inhalt „verhaftet“ bin, ihn nicht „loslassen“, geschweige denn zur Seite schieben kann, dass er mir lästig wird, dann wende ich mich achtsam meiner Atmung zu. Ich atme ein, ich atme aus und lüfte sozusagen meinen Geist von allen Inhalten. Im Idealfall ziehen die störenden Elemente auf der Leinwand meines Geistes – wie durchlaufende Schriftzüge im Fernsehen – an mir vorbei. Ich justierte mich dazu immer wieder auf meine Atmung. Sie ist mein Anker, um meinen Geist offen zu halten, und weist den Empfindungen die Tür, die nicht vorübergehen wollen. Das werde ich genauer beschreiben: Für einen Anfänger (und nicht nur für ihn) macht es Sinn, sich an der Atmung auszurichten, ihr die Führung zu überlassen und immer wieder auf sie zurückzukommen. Konkret sieht das so aus: Wir benennen die folgenden 10 Atemzüge mit den Zahlen 1–10, und zwar in der Ausatemphase. Wir zählen durch. Dann folgt eine weitere Sequenz, indem wir wieder 10 Ausatemzüge zählen. Dann führen wir unsere Meditation mit dem nächsten Zyklus fort. So in eine Reihe gebracht und in den Fokus gestellt, schafft die Atmung eine Dynamik, die es schwer macht, auf einzelnen Eindrücken wie Schmerz, Lärm oder Grübelgedanken zu beharren. Es macht keinen Sinn, in einer Meditationssitzung ein Ziel erreichen zu wollen. Wir steuern auch nicht kontrolliert unsere Bewusstseinsinhalte, sondern wir nehmen uns zurück und betrachten sie nur. Der Charakter der Meditation ist also achtsam und gewaltlos.

Die Körperhaltung ist für die Meditation bedeutungsvoll. Wirklich aufgerichtet sind Körper und Geist durchlässiger; sie fühlen sich leichter an. Schauen die Augen nach oben, achte ich nicht auf den inneren Prozess der achtsamen Wahrnehmung. Sind die Arme zu sehr nach innen gedreht, hängt mein Rumpf wie in Seilen, Körper und Geist werden müde und erschöpft. Steht mein Kopf wie ein Geierhals im Raum, ist die Hirndurchblutung vermindert und gestört.

Der Körper reflektiert das Geschehen in der inneren Welt, und die Körperhaltung beeinflusst und leitet auf umgekehrtem Weg inneres Erleben. Ich betrachte in der Meditation auch die Körperhaltung als eine Art Anker. Ich lasse mir viel Zeit, um möglichst anstrengungsfrei zu sitzen, und richte zu diesem Zweck meine Körperhaltung zu Beginn meiner Meditation im Schwerkraftfeld der Erde aus. Immer wieder werde ich im weiteren Verlauf des Meditierens aus dieser idealen Haltung fallen. Und sobald ich das merke, gebe ich einen Impuls zur Aufrichtung, sodass mein Körper seine Haltung „optimiert“.

Es ist kein Akt der Willkür, dass der Meditationssitz bestimmten Regeln unterliegt. Ideal ist der vollständige oder zumindest der halbe Lotussitz. In dieser Stellung werden bestimmte Akupunkturpunkte aktiviert. Das schaffe ich nicht mehr. Als Alternative nehme ich den Fersensitz ein und hebe meinen Po an, indem ich ein Sitzkissen unterlege. So entsteht kein zu großer Druck auf meinen Fersen. Mein Gewicht verteilt sich nun auf die beiden Knie und auf den Po. Das Becken ist nach vorn gekippt, es entsteht in diesem Bereich eine leichte Krümmung nach vorn (Lordose), dennoch sind die Bauchmuskeln entspannt. Die Nase steht in einer Linie mit dem Bauchnabel.

Gerade für uns Parkinsonmenschen ist ja eine zunehmend gebeugte Wirbelsäulenhaltung typisch. Die Schultern fallen nach vorn, der Magenbereich zieht sich nach innen, der Kopf geht nach vorn, der Nacken- und Halsbereich stellt sich als der schon benannte Geierhals dar.

Die Meditation beginne ich mit der „Ausrichtung“ meines Körpers. Die Gewichtsbelastung verteile ich gleichmäßig auf Knie und Po, das Becken kippt nach vorn. So gehen die Schultergelenke automatisch nach hinten, der Brustkorb öffnet sich. Das Kinn wird nach hinten gezogen, ohne dass der Kopf nach unten sinkt, und der Nacken wird gestreckt. Mit ein bisschen Übung geschieht diese Ausrichtung ohne große Anstrengung und die einzelnen Korrekturen fördern die Korrekturen auf den anderen Ebenen. Mit der Zeit wird diese Stellung immer spürbarer und erreichbarer, an der mein Körper sich entlang der Schwerkraftlinie wie von selbst aufrichtet. Ich kann diese Stellung dadurch verifizieren, dass ich das Gespür habe, dass mein Körper dann in die Länge und in Richtung Himmel gezogen wird.

Die Augen sind offen und leicht gesenkt. Sie blicken auf einen Punkt, der ca. 1 Meter auf dem Boden vorausliegt, ohne diesen zu fixieren. Gehen die Augen zu, senkt sich in der Folge der Kopf, tendiert man zum Müdewerden. Geht der Blick nach links oben, werden Erinnerungsbilder unterstützt. (Solche eindeutigen Zuordnungen sind umstritten und sicherlich platt. Aber ich glaube, dass äußerer und innerer Ausdruck immer miteinander verbunden sind.)

Die rechte Hand wird waagerecht mit der Handfläche nach oben unterhalb des Bauchnabels an den Unterbauch gelegt. Die linke Hand ist in die rechte gelegt, die Daumenspitzen berühren sich leicht, aber deutlich, die Daumen sind gestreckt. Nach Ansicht des Buddhismus fördert diese Handhaltung Wachheit und Versenkung. Die Zunge legt sich leicht an den oberen Gaumen an. Die Arme liegen leicht am Körper an. Habe ich mich dieser Haltung angenähert, atme ich bewusst aus und entspanne die Muskeln meines Körpers.

Wenn ich lange genug übe, wird allein die Wahrnehmung einer unfertigen Körperhaltung die unmittelbare Reaktion hervorrufen, eine „bessere“ einzunehmen. Spüre ich dann, dass ich wieder in mich zusammensacke, oder ich mehr in die Anspannung gehe, startet mein Körper wie von allein wieder mit seiner „Ausrichtung“ im Detail und mit seiner Ganzheit.

Ich nutze also die Wahrnehmung der Atmung und die Wahrnehmung der Körperhaltung als Mittel, meine Meditation zu vertiefen. Meditation schenkt mir Lebendigkeit, Verbundenheit mit anderen, ein Mehr an Angstfreiheit und damit auch Lebensfreude.

Im Hinblick auf unsere Parkinsonerkrankung können wir Folgendes feststellen: Meditation unterstützt ganz allgemein die psychische Stabilität, sie lindert Angst, sie beruhigt das vegetative Nervensystem als Ganzes. Sie senkt den Hypertonus, fördert die Koordination, unterstützt den Schlafrhythmus und vieles mehr. Sie kann die Krankheit nicht zurückdrängen, aber sie lindert Schmerzen und Beschwerden. Und zudem eröffnet sie manchem Meditierenden eine spirituelle Welt und ein als sinnvoll erfahrenes Leben.

Die folgende Information stammt von der Hilde-Ulrich-Stiftung: „Die meisten gesetzlichen Krankenkassen erstatten ihren Versicherten Teilnahmegebühren für bis zu zwei Präventionskurse pro Kalenderjahr. Dazu können unter bestimmten Voraussetzungen auch Angebote zum Thema „Achtsamkeit“ gehören. Teils offerieren sie diese sogar selbst. Die entsprechenden Kurse und Seminare sind auf den jeweiligen Webseiten der Kassen zu finden. Ferner besteht die Möglichkeit, einen Präventionskurs anderer Anbieter vorzuschlagen. Die Krankenkasse prüft dann, ob der gewünschte Kurs die notwendigen Kriterien für eine Förderung erfüllt. Für solche Präventionskurse in Gruppen von maximal 15 Personen bei einem Umfang von acht bis zwölf Terminen à 45 bis 90 Minuten ist die Kostenbeteiligung größtenteils auf einen bestimmten Gesamtbetrag begrenzt, der je nach Kasse zwischen 150 und 600 Euro pro Kalenderjahr liegt. Bei einigen Krankenkassen müssen die Versicherten zudem 10 bis 20 Prozent der Kursgebühren als Eigenanteil zahlen. Voraussetzung für eine Bezuschussung ist, dass der Versicherte belegbar an mindestens 80 Prozent der Kurstermine teilgenommen hat.“ https://www.aktive-parkinsonstiftung.de/parkinson-informationen/nicht-medikamentoese-behandlung/entspannungstherapien/meditation/

Verfasserin: Flocke 2021-05-30

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